SCHALOM ICH BIN MENTSH | Dokumentarfilm | Mini DV | Farbe | 21 min | © Ukraine-Deutschland 2011

Teil 1

Teil 2

Der Dokumentarfilm handelt von der ukrainischen Stadt Czernowitz, die einen wichtigen Erinnerungsort des osteuropäischen Judentums darstellt. Es wurden Zeitzeugen in Filminterviews zu den Veränderungen im Leben der jüdischen Gemeinde und zum Zusammenleben jüdischer und nicht- jüdischer Bevölkerungsteile vor, während und nach dem II.Weltkrieg befragt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die heutige Einstellung der Bewohner Czernowitz` den Juden, ihrer Tradition und Geschichte gegenüber, gelegt.

 

 

REISEBERICHTE

ENDLICH IN DER UKRAINE!

Um 06:15 Uhr fuhren die deutschen Schüler in Stralsund am Bahnhof los und trafen dann die zweite Begleitperson in Berlin am Bahnhof „Micha“. Dort stiegen auch noch zwei weitere Schüler zu. Sobald wir im Zug nach Krakau saßen begannen wir auch gleich mit der Arbeit, das heißt wir erarbeiteten in Gruppen Fragen für die Interviews und versuchten einige Ideen für den roten Faden unseres Filmes zusammen zu tragen.
Selbst die Zugfahrt in ein, für die meisten  von uns  unbekanntes Land war ein einziges Abendteuer.

Nach einer 36 stündigen Fahrt kamen die deutschen Schüler müde und ausgelaugt in Czernowitz an. Nachdem wir an der Schule angekommen waren, wurde uns der Plan für die nächsten Projekttage mitgeteilt. Danach wurden wir mit unseren Gastschülern bekannt gemacht, dann  gingen wir einzeln in die Familien. Nach einer kleinen Ruhepause gingen die Gastfamilien mit ihren Tauschkindern entweder in die Stadt und unternahmen etwas oder sie blieben zuhause und spielten dort Gemeinschaftsspiele. Einige der Teilnehmer gingen in ein Kaufhaus und andere machten Touren durch die wunderschöne Stadt.

STARTSCHUSS…DREHBEGINN…KAMERA LÄUFT

Am ersten Tag ging die Arbeit schon richtig los. Zur Vorbereitung teilten wir die Jugendlichen in zwei Gruppen ein, einmal in die Technikgruppe und in das Redaktionsteam, wobei beide Teams eine wichtige Rolle spielten. Der Technikgruppe wurde in kurzen Zügen der Umgang mit der Kamera beigebracht. Hingegen beschäftigte sich die Redaktionsgruppe mit dem Erstellen des Fragenkatalogs für die Interviews. Als erstes wurden alle wichtigen Fakten zum Thema Fragenkatalog zusammen gefasst in dem sich alle an einem aktiven „Brainstorming“ beteiligten. Wir brainstormten so lange bis alle Blätter mit Fragen und Ideen vollgeweht waren. Wir entschieden, dass unser Film über das jüdische Leben in Czernowitz handeln sollte. Auch über Menschenrechte und Antisemitismus wollen wir etwas herausfinden. Und anschließend wurden die ersten Fragen zusammen getragen. In der Zwischenzeit befasste sich das Kamerateam weiter mit dem Umgang mit der Kamera.

Nach der Mittagspause trafen wir uns alle im Museum der Jüdischen Kultur und begannen dort unser erstes Interview mit Ailika Wülfing. Danach trafen wir im Museum noch Deutsche Besucher die wir dann auch noch interviewten. Das alte Ehepaar aus Bayern war sehr aufgeregt, als wir die Kamera auf sie richteten und sie merkten gar nicht, dass wir selbst viel aufgeregter waren, da es für uns das erste Interview des Lebens war. Ha, aber wir waren schon richtige Profis (fast) und sie fragten, wann man unseren Film im Fernsehen sehen kann. Bald, sehr bald! Nur noch ein bisschen Geduld.

Am Abend waren wir alle sehr müde aber auch stolz, weil wir den ersten Tag so gut überstanden hatten. Wir trafen uns alle noch einmal in der Schule um den heutigen Tag auszuwerten. Anschließend besprachen wir den nächsten Tag.

SYNAGOGE – ECHT FASZINIEREND!

Am zweiten Tag lag eine große Herausforderung vor uns. Wir waren natürlich weiterhin auf der Suche nach jüdischem Leben in Czernovitz. Es stellte sich leider zuvor schon heraus das, dass gar nicht so einfach ist, denn nach nur einer noch aktiven Synagoge in einer 300 000 Einwohnerstadt zu suchen ist, als wenn man nach einer Nadel im Heuhaufen sucht. An diesem Morgen erlitten wir einen Kulturschock. Wir mussten schon um 6.00 Uhr bereit vor der Synagoge warten, um keine interessanten Eindrücke zu verpassen. Zudem war es fürchterlich kalt und alle waren müde. Als es dann endlich hieß, dass wir eintreten durften waren alle erleichtert. Dann suchten wir einen Platz für unsere Technik und erlitten sofort einen Lachanfall.

DER SPEKTAKULERE WODKAFLASCHENVORFALL

Beeindruckt vom Farbenreichtum der Synagoge und Ritualen der Betenden verhielten sich die Interviewer und Kameraleute vorsichtiger als sonst. Neben dem auch so heiligen und reich verzierten Altar fielen uns halblehre aber auch volle Wodkaflaschen ins Auge. Wodkaflaschen? – Ja, Wodkaflaschen! Spätestens in diesem Moment wurde auch dem letzten bewusst, dass wir uns in der Ukraine befinden. Dieser Vorfall kam uns sehr gelegen, da er uns ein wenig die Aufregung nahm. Nachdem wir dann alle einmal geschmunzelt hatten konzentrierten wir uns dann aber wieder vollkommen auf die Dreharbeiten.

Alle setzten sich leise hin und warteten. Einer von uns hatte fürchterlich mit der Schlafkrankheit zu kämpfen, was so viel heiß, dass wir ihn kräftezehrend wach halten mussten. Trotz der Müdigkeit aller entging uns natürlich die Schönheit des Gebäudes nicht. Der erste Eindruck von der Synagoge war für alle gleich, gleich faszinierend. Die Räume waren sehr pompös geschmückt, mit Gemälden an den Wänden, Ornamenten und schweren Vorhängen an den Fenstern. Das Gebäude war in zwei Räume geteilt, in einen großen reich verzierten Raum und einen, in dem der Gottesdienst stattgefunden hat. In der Synagoge beten die Frauen getrennt von den Männern. Die Frauen können das Gebet des Rabbiners nur durch ein Fenster begleiten. Spätestens nach dem nächsten  lustigen Vorfall konnte unsere Schlafmütze kein Nickerchen mehr halten, denn er wurde von einem bisher unbekannten Geräusch geweckt.

EIN HANDYVERBOT FÜR DIE SYNAGOGE?

Obwohl anfangs alles sehr streng zu sein schien, sodass wir uns kaum trauten nur ein Mucks von uns zu geben, löste sich die ganze Spannung in einem gemeinsamen Kichern auf. Der Auslöser dafür  war, das unverhoffte aber fröhliche Klingeln eines Handys. In den Köpfen des gesamten Drehteams entstand ein und dieselbe Frage: „Oh Gott, ist das jetzt mein Handy?“. Doch zwei Sekunden später kam ein völlig entspannter Rabbiner  aus dem Betraum. Ohne sich stören zu lassen, redete er mit seinem Gesprächspartner. Später haben sich die deutschen Schüler sagen lassen was der Inhalt des Gesprächs war, denn die Deutschen haben gedacht er habe den Gesprächspartner „abgewimmelt“. Die ukrainischen Schüler haben das verneint und gesagt, dass er ein vollkommen vernünftiges Gespräch geführt habe. Spätestens dort wurde uns klar, dass es Juden durchaus wichtig ist zu ihrem Glauben zu stehen, aber sie sind doch auch nur Menschen.